Gemeinsam zu leben und den Alltag zu organisieren, stellt zahlreiche Beziehungen vor eine Bewährungsprobe. Als Alternative bietet sich Living Apart Together oder kurz LAT an. Dieses Konzept…
Gemeinsam zu leben und den Alltag zu organisieren, stellt zahlreiche Beziehungen vor eine Bewährungsprobe. Als Alternative bietet sich Living Apart Together oder kurz LAT an. Dieses Konzept erlaubt es beiden Partnern, ihre eigene Wohnung zu behalten. Doch wie sieht die Mischung aus Nähe und Distanz im Alltag aus? Dieser Ratgeber zeigt einige der Vor- und Nachteile auf, die mit LAT verbunden sind.
Living Apart Together als modernes Beziehungsmodell
In einer Beziehung oder sogar Ehe in getrennten Wohnungen zu leben, gilt in den Köpfen vieler Menschen als ein vorübergehender Zustand. Aktuell findet in zahlreichen Ländern Europas ein Umdenken statt. Allein in der Schweiz entscheiden sich schon heute fast 15 % aller Paare bewusst dafür, nicht in einer gemeinsamen Wohnung zu leben.
Einander den notwendigen Freiraum zu bieten und dennoch die Nähe in einer Partnerschaft zu pflegen, stellt in diesem Beziehungsmodell keinen Widerspruch dar. Sich Zeit zu nehmen für Verabredungen oder Besuche in der Wohnung des Partners soll die Phase der Verliebtheit verlängern und die Vorfreude auf die gemeinsam verbrachte Zeit immer wieder neu entfachen.
Die Beziehung ist mit weniger Alltagsproblemen belastet
Im klassischen Zusammenleben mit dem Partner empfinden Frauen oftmals die Aufgabenverteilung im Haushalt als eine zusätzliche Belastung. Wäscheberge oder der nicht erledigte Abwasch entwickeln sich über die Jahre zu Themen, die zunehmend an den Nerven zehren. Anstatt die gemeinsame Zeit zu geniessen und das Zuhause als Rückzugsort zu empfinden, begünstigt das Zusammenleben Streitigkeiten über die alltäglich anfallenden Aufgaben.
In getrennten Wohnungen ist dagegen jeder selbst für den Haushalt, den Einkauf und andere anfallende Tätigkeiten zuständig. Diese klare Aufgabenverteilung verhindert, dass Streitthemen die Beziehung belasten und die Zeit ohne den Partner wie eine Befreiung empfunden wird. Der Partner bleibt insofern in der Wohnung des anderen in erster Linie ein Gast, selbst wenn Kleidungsstücke oder Zahnbürste dauerhaft dort zu finden sind.
LAT fördert die finanzielle Unabhängigkeit
Spielt das Trennen der Finanzen eine nicht unerhebliche Rolle in der Entscheidung für die Trennung des Wohnraums, ist Living Apart Together eine hilfreiche Option. Alle Rechnungen laufen automatisch auf den Eigentümer oder Mieter der Wohnung, sodass keine Teilung der Kosten stattfinden muss. Schwierig wird dieser Aspekt lediglich, wenn gemeinsame Kinder oder auch Haustiere ins Spiel kommen. In diesem Zusammenhang verschwimmen die Grenzen der finanziellen Unabhängigkeit, und es kann erforderlich sein, neue Grundregeln festzulegen.
Freiraum kann negative Aspekte beinhalten
Die eigene Wohnung zu behalten, erspart Streit über den bevorzugten Einrichtungsstil, die Dekoration des Zuhauses oder darüber, wie oft Freunde zu Besuch kommen dürfen. Auf der anderen Seite der Medaille ist jedoch genau dieser Freiraum ebenfalls mit negativen Aspekten behaftet. In eine Wohnung zurückzukehren, in der nicht der Partner wartet, kann Gefühle der Einsamkeit beflügeln. Das gilt insbesondere, wenn sich die beiden Wohnungen in einiger Entfernung zueinander befinden.
Die partnerschaftliche Nähe zueinander ist in getrennten Wohnungen mit anderen Grenzen verbunden. Am Abend eine letzte Textnachricht zu schreiben, ist zwangsläufig distanzierter, als im Arm des Partners einzuschlafen. Die Vorfreude auf das nächste Treffen geht mitunter Hand in Hand mit dem Vermissen des Partners in Situationen, die bei einem klassischen Zusammenleben weniger häufig an der Tagesordnung sind.
Getrennte Wohnungen können Unsicherheiten verstärken
Das Beziehungsleben auf zwei Wohnungen zu verteilen, ist nicht empfehlenswert für Frauen oder auch Männer, die in Partnerschaften schnell Eifersucht empfinden. Die räumliche Distanz kann diese Empfindungen verstärken und Misstrauen wecken. Dieses Risiko steigt weiter an, wenn die Freundeskreise ebenfalls weitgehend getrennt sind und deshalb nicht zwangsläufig ein Vertrauensverhältnis zu den Freunden des Partners besteht. Anstatt ausschliesslich die zwischenmenschlichen Spielregeln dieses Beziehungsmodells festzulegen, ist es ebenso erforderlich, sich selbst zu fragen, ob LAT das eigene Leben bereichert oder das Risiko birgt, ein Gefühlschaos zu entfachen.
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