Tagebuch schreiben zur Stressbewältigung
Fühlen sich die Gedanken und Gefühle wie ein einziges Chaos an, fällt es dem Verstand oftmals schwer, aus eigener Kraft einen Ausweg zu finden. Fehlt der passende Gesprächspartner, bietet sich das Tagebuch als Ersatz an. Diese Art der Stressbewältigung bildet auch in der Psychotherapie ein wichtiges Werkzeug für das innere Wohlbefinden und die mentale Gesundheit. Dieser Blog stellt die Vorteile eines Tagebuchs näher vor.
Tagebücher erfordern keine Perfektion
Das Tagebuch aufzuschlagen und eine leere Seite vor sich zu sehen, ist für einige Frauen zunächst mit einem gewissen Druck verbunden. Der Wunsch, seine Gedanken und Gefühle perfekt auf Papier zu bringen und für die Zukunft festzuhalten, steht dem eigentlichen Zweck eines Tagebuchs häufig im Weg. Dessen Zweck besteht darin, eine Momentaufnahme der aktuellen Gefühlslage widerzuspiegeln. Hat sich Wut, Frustration oder Ärger im Inneren angestaut, ist es wichtig, diese Emotionen ungefiltert auf die Tagebuchseite zu übertragen.
Im Rückblick auf diese Tage des Lebens tragen vermeintlich kleine Details deutlich besser dazu bei, sich wieder in die damalige Lage zurückzuversetzen. Dazu gehört die Schrift, die auf den ersten Blick verrät, ob der Eintrag auf eine gute oder schlechte Stimmung hindeutet. Sich vorab einen perfekten Tagebucheintrag zu überlegen, zensiert die Ereignisse des Tages und filtert eventuell Teile heraus, die für das zukünftige Ich wichtige Erkenntnisse liefern könnten.
Schreiben verhilft zu mehr Entspannung
Obwohl die digitale Welt mittlerweile Apps zum Verfassen von Tagebucheinträgen anbietet, lohnt es sich, von diesen Angeboten keinen Gebrauch zu machen. Ein reguläres Tagebuch, anstelle von Smartphone, Tablet oder Laptop zur Hand zu nehmen, bietet dem Gehirn einen besseren Übergang zwischen dem Alltag und diesem neuen Ritual.
Das Buch aufzuschlagen, eine leere Seite zu finden und einen Stift in die Hand zu nehmen, ist ein erster Schritt zur internen Stressbewältigung. Das Gehirn wird mit diesen drei einfachen Handgriffen dazu animiert, sich der Ereignisse des Tages nochmals bewusst zu werden, bevor durch das Verfassen des Eintrags und Schliessen des Tagebuchs eine Form der Distanz zu den erlebten Ereignissen und Emotionen entsteht.
Die tägliche Routine ist ein Mittel zur Stressbewältigung
Im Alltag stehen die Forderungen an die eigene Person oftmals im Mittelpunkt der Tagesgestaltung. Zahlreichen Frauen fällt es schwer, sich diesen Anforderungen auf einer täglichen Basis gewachsen zu fühlen. Das Tagebuch hat im Vergleich zum Partner, zur Familie oder zu Freunden immer ein offenes Ohr, selbst für wiederkehrende Probleme. Frauen, die Tagebuch schreiben, müssen weder in der Wortwahl noch in der Häufigkeit der angesprochenen Probleme Zurückhaltung üben. Diese schonungslose Ehrlichkeit entlastet das eigene Gewissen und reduziert den Stresspegel, der mit dem Gefühl von Überforderung häufig einhergeht.
Tagebucheinträge trainieren das Gedächtnis
Die Einträge in einem Tagebuch sind dem Gedächtnis häufig einen entscheidenden Schritt voraus. Das Gedächtnis interpretiert Erinnerungen im Laufe der Zeit aus verschiedenen Blickwinkeln. Die zeitliche Distanz verwandelt eine Erinnerung mitunter nicht länger in eine Repräsentation der wahren Ereignisse. Der Tagebucheintrag zeigt dagegen schwarz auf weiss, wie sich die Verfasserin zu diesem Zeitpunkt wirklich gefühlt und bestimmte Ereignisse wahrgenommen hat.
Je länger Frauen Tagebuch schreiben, umso mehr wird das Gehirn dazu angeregt, sich Treffen, Unterhaltungen oder andere Alltagssituationen im Detail zu merken. Dieser Mehrgehalt an Informationen erleichtert das Schreiben der Einträge und hilft, die realitätsgetreue Erinnerung länger lebendig zu halten.
Das Lesen fördert die Selbstreflexion
Das Schreiben der Einträge ist nur ein Weg, mit dem Tagebuch zu interagieren. Für eine langfristige Strategie zur Stressbewältigung oder der Lösung wiederkehrender Probleme, empfiehlt es sich, die Einträge mit etwas zeitlichem Abstand erneut zu lesen. Selbst einige Tage oder Wochen können ausreichend sein, um zu erkennen, wie sich diese Muster in den Alltag oder die Psyche eingeschlichen haben. Die daraus erfolgende Selbstreflexion ist ein wichtiger Schritt, um leichter Grenzen zu ziehen oder das Verhalten auf andere Weise zu ändern. Da die eigenen Worte die Grundlage für diese Änderungen darstellen, baut die Psyche weniger schnell Mauern auf und erlaubt es sich, kritisch mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen.
Bildquelle: Kelly Sikkema / unsplash.com








