Beziehung und Eigenständigkeit – warum Selbstaufgabe der Liebe im Weg steht

am . Veröffentlicht in Liebe

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Die eigene Identität in einer Partnerschaft zu bewahren, ist ein Punkt, an dem zahlreiche Frauen auf Probleme treffen. Der Wunsch, eine harmonische Beziehung zu führen, überschreitet häufig die Grenze zur Selbstaufgabe. Wann das Ungleichgewicht zwischen Geben und Nehmen der Selbstaufgabe gleichkommt, geht aus dem folgenden Ratgeber hervor.

 

Die Kennenlernphase verengt die Perspektive

 

In den ersten Monaten einer neuen Beziehung ist es durchaus normal, seinen Fokus auf das Kennenlernen des Partners zu konzentrieren. Plötzlich dreht sich die eigene Welt um Hobbys und Freizeitbeschäftigungen, die davor kein Teil des Alltags waren. Bis zu einem Punkt ist es sogar förderlich, in die Welt des neuen Partners einzutauchen und einen Gleichklang mit dessen Persönlichkeit und Interessen zu finden.

Ausgelöst wird dieser Wunsch neben dem ehrlichen Interesse am Leben des Partners ebenfalls aufgrund einer vermehrten Ausschüttung von Hormonen. Die erste Phase der Verliebtheit ist gekennzeichnet durch einen erhöhten Anteil der Hormone Dopamin, Oxytocin und Noradrenalin im Körper. Dieser Cocktail an Hormonen erzeugt das Gefühl der überschwänglichen Freude während der gemeinsam verbrachten Zeit. In den ersten Monaten überdurchschnittlich oft an den Partner zu denken, ist vorerst nicht als bedenklich zu bezeichnen.

 

Der Wunsch, zu gefallen, wird zur Beziehungsfalle

 

Die eigene Persönlichkeit in einer neuen Beziehung nicht länger als eine Priorität zu betrachten, ist ein Prozess, der oftmals auf dem Wunsch gründet, der anderen Person zu gefallen. Aus dieser Intention heraus entstehen Verhaltensweisen, die sich von der vorherigen Single-Persönlichkeit unterscheiden. Sich den Wünschen des Partners anzupassen oder mit dessen Lebensvorstellungen übereinzustimmen, bildet eine Basis für eine geringere Anzahl von Konflikten oder Streitgesprächen.

Selbst zurückzustecken und mit einer harmonischen Beziehung belohnt zu werden, führt zu dem Trugschluss, die Verantwortung für diese Harmonie zu tragen. Mit dieser Erkenntnis im Hinterkopf verwandelt sich die bewusste Zustimmung in eine Routine und die Spirale der Selbstaufgabe nimmt ihren Lauf.

 

Wie weit sollte Kompromissbereitschaft in der Partnerschaft gehen?

 

Harmonie auf ein Podest zu stellen und im Gegenzug Konflikten aus dem Weg zu gehen, ist mit einem Preis verbunden. Kompromissbereitschaft sieht in einer unausgeglichenen Beziehung deutlich anders aus, als in Partnerschaften, in denen beide Persönlichkeiten einen gleichwertigen Stellenwert einnehmen. Diskussionen fallen meistens kurz aus oder finden überhaupt nicht statt, da schon im Vorfeld die eigenen Wünsche nicht kommuniziert werden.

Verwandelt sich die eigene Persönlichkeit in ein Spiegelbild des Partners, erhält die Zufriedenheit über die vorhandene Harmonie oftmals die ersten Risse. Verstärkt wird dieses Gefühl erneut, sobald die Phase der Verliebtheit endet und der Alltag in die Beziehung einkehrt. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem sich Frauen die Frage stellen müssen, ob die Beziehung stark genug ist, um einem Gleichgewicht der Persönlichkeiten standzuhalten.

 

Verlustängste prägen unterbewusst die eigenen Verhaltensmuster

 

Ein Grund, die Selbstaufgabe beizubehalten, besteht in der Angst, dass die Beziehung enden könnte, sobald die eigene Persönlichkeit mehr zum Vorschein tritt. Diese Verlustängste verwandeln sich in eine Motivation, die Maske weiter aufrechtzuerhalten und nicht langsam fallen zu lassen. Ein erster Schritt aus der Selbstaufgabe führt über einen Perspektivwechsel.

Anstatt diesen Schritt mit ausschliesslich negativen Gefühlen zu assoziieren, ergibt sich aus der aufblühenden Persönlichkeit ebenfalls eine neue Ehrlichkeit in der Beziehung. Bisher hatte der Partner niemals zu 100 % die Chance, alle Facetten seiner Lebensgefährtin kennenzulernen. Diese Seiten zu erkunden, ist nicht automatisch mit einem Schlussstrich unter der Beziehung gleichzusetzen. Sich mehr in die Beziehung einzubringen, bietet ebenso die Gelegenheit, die Liebe zueinander zu vertiefen.

 

Authentizität legt den Grundstein für eine langjährige Liebe

 

Ehrlichkeit und das authentische Ich in einer Beziehung miteinander zu teilen, verhilft zu einer Gefühlsebene, auf der beide Partner keine Angst haben müssen, Zurückweisungen aufgrund der Zurschaustellung der eigenen Persönlichkeit zu erleben. Findet sich der aktuelle Partner nicht mit den Veränderungen der Dynamik in der Beziehung zurecht, hilft das Umdenken dennoch dabei, in weiteren Kennenlernphasen nicht länger eine künstliche Persönlichkeit zu erschaffen. Anstelle der Unsicherheit hilft die neu gewonnene Authentizität, den Weg zu einer harmonischen und langjährigen Partnerschaft zu ebnen.

 

Bildquelle: Priscilla Du Preez / unsplash.com